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Den Abschied erleichtern

Oktober 2026 - Dithmarscher Landeszeitung - Prospekt "GehZeiten"

Schritt für Schritt nimmt Ohlsen Bestattungen neue Gestalt an, erzählt Christian Tiessen stolz. Zu Jahresbeginn übernahm er den Betrieb in Albersdorf. Die Geschäftsräume im vom Tischlerhandwerk geprägten Altbau haben seitdem einen beachtlichen Wandel durchlebt, wie auch das Bestattungsunternehmen selbst. Dabei ist Tiessen stets darauf bedacht, den Charme des Gebäudes und die Werte seines Vorgängers zu bewahren und mit seinen Vorstellungen für die Zukunft zu vereinbaren.

Ein neuer Ausstellungsraum mit Särgen, Urnen und Katalogen bringt ihn nun seinem Ziel näher, die Distanz der Menschen zum Thema Bestattung abzubauen und dieses greifbarer zu machen.
„Viele Menschen wissen gar nicht, wie viele Möglichkeiten es gibt: die Feuer- oder Seebestattung, die klassische Erdbestattung oder Erinnerungsstücke wie Fingerabdrücke, Schmuck und Erinnerungsdiamanten."
Besonders die Waldbestattung findet inzwischen immer mehr Anklang.

Die Ausstellung soll in einem überschaubaren Rahmen Orientierung bieten und zugleich für jeden etwas bereithalten. Feingefühl und eine persönliche Note prägen dabei neben der Gestaltung der Räume auch den Umgang mit den Verstorbenen, seine Anwesenheit bei Trauerfeiern und die Trauer-, Erst- und Vorsorgegespräche. Besonders wichtig ist Tiessen die Möglichkeit, Letztere ganz unverbindlich und bereits lange vor dem Todesfall anzubieten, um Fragen zu klären, Wünsche zu besprechen und sich in Ruhe mit dem Thema Abschied auseinanderzusetzen.

Besonders freut ihn, wie positiv die Veränderungen der letzten Monate von der Gemeinde und den Angehörigen angenommen werden: „Ich bekomme viel positives Feedback und fühle mich darin bestärkt, so weiterzumachen.“

Mit 30 Jahren: Christian Tiessen übernimmt Bestattungsunternehmen Ohlsen in Albersdorf

Januar 2026 - Dithmarscher Landeszeitung

Christian Tiessen erinnert sich noch genau an diesen einen Tag. Er arbeitete damals als Altenpfleger, ein ganz normaler Dienst, als Jörg Ohlsen ihn beiseitenimmt. Ob sie kurz allein sprechen könnten, fragt der Bestatter. Für einen Moment schießt Tiessen alles durch den Kopf. Habe ich etwas falsch gemacht?

Doch die Sorge verfliegt schnell. Ohlsen hat keinen Tadel im Sinn, sondern eine Idee und einen Plan, der das Leben des damals Anfang 20-Jährigen verändern wird. Er möchte ihn für sein Unternehmen gewinnen. Und mehr noch: Wenn er selbst in den Ruhestand geht, soll Tiessen einmal das Gesicht des Betriebs werden.

Jörg Ohlsen kümmert sich frühzeitig um seine Nachfolge in Albersdorf

Rund neun Jahre später ist aus dieser Idee Realität geworden. Zum Jahresbeginn hat der heute 30-jährige Tiessen das Bestattungsunternehmen Jörg Ohlsen in Albersdorf übernommen. Ein Schritt, der Karriere und Verantwortung miteinander verbindet. „Solch eine Gelegenheit bekommt man nicht alle Tage“, sagt Tiessen. „Und als Albersdorfer einen eigenen Betrieb in der Gemeinde zu führen, auch wenn das Einzugsgebiet weit darüber hinausgeht, ist etwas Besonderes.“

Christian Tiessen verkürzt Ausbildung

Der Name Ohlsen ist in Albersdorf seit Jahrzehnten fest verankert. Jörg Ohlsen führte das Unternehmen in dritter Generation. Als Tischlermeister bot der heute 65-Jährige lange Zeit auch klassische Tischlerarbeiten an, doch seit rund anderthalb Jahrzehnten ruhen diese. Seine Passion fand Ohlsen im Bestattungswesen. „Der Schritt, das Unternehmen abzugeben, fällt mir sehr schwer“, sagt er. „Ich mache das schließlich seit 49 Jahren.“Dass der Betrieb nun an den einzigen Mitarbeiter übergeht, ist kein Zufall. Bevor er 2019 zum Unternehmen stieß, absolvierte Tiessen seine Ausbildung zur Bestattungsfachkraft. Regulär dauert sie drei Jahre, doch Tiessen konnte verkürzen. Seine abgeschlossene Ausbildung zum Altenpfleger kam ihm zugute. Dort nehme das Thema Hygiene eine große Rolle ein. Vor allem aber brachte er etwas mit, das sich nicht erlernen lässt: den professionellen Umgang mit Menschen in Ausnahmesituationen. Hinzu kommt die enge Verbindung zum Ort. Tiessen stammt aus Albersdorf, viele kennen ihn noch aus seiner Kindheit. Dieses Vertrautsein schuf Vertrauen auf beiden Seiten – bei den Hinterbliebenen ebenso wie im Unternehmen. Die Übergabe vollzog sich daher nicht abrupt, sondern schrittweise. Verantwortung wurde geteilt, Entscheidungen gemeinsam getroffen, Erfahrungen weitergegeben.

Tischlerei-Betrieb wird nicht übernommen

Die Tischlerei wird Tiessen nicht übernehmen, wohl aber das Bestattungsunternehmen – unter neuem, aber vertrautem Namen. Aus dem Bestattungsunternehmen Jörg Ohlsen wird das Bestattungsunternehmen Ohlsen, Inhaber Christian Tiessen. „Mir ist wichtig, dass der Name Ohlsen vorerst bestehen bleibt“, betont der neue Inhaber. „Es ist ein traditionsreiches Familienunternehmen mit Wiedererkennungswert.“ Ob der Name in zehn, 15 oder 20 Jahren noch existieren wird, lässt Tiessen offen.

Für Jörg Ohlsen ist die Übergabe auch ein Loslassen. Seine beiden Töchter wollten den Betrieb nicht fortführen. „Einen Nachfolger zu finden, ist in unserer Branche sehr schwer“, sagt er. „Oft machen es die eigenen Kinder. Das war hier nicht der Fall.“ Umso überzeugter ist Ohlsen von seiner Wahl. „Christian hat eine sehr sympathische Ausstrahlung, ein ruhiges, vernünftiges Auftreten, ist empathisch und sein vorheriger Job ist artverwandt.“

Für Jörg Ohlsen und Christian Tiessen beginnen neue Lebensabschnitte

Für Tiessen ändert sich vieles. Die Entscheidungen lasten nun auf seinen Schultern. „Er ist jetzt 24 Stunden, sieben Tage die Woche erreichbar. Nur Vaterwerden ist schlimmer“, sagt Ohlsen mit einem lauten Lachen und meint damit humorvoll die schlaflosen Nächte, die Kinder ihren Eltern gerne mal bereiten. Die Arbeiten bleiben dagegen gleich. Bestatter sind weit mehr als Organisatoren von Trauerfeiern. Sie sind Ansprechpartner für Hinterbliebene, kümmern sich um Formalitäten bei den Amtsverwaltungen, organisieren Kaffeetafeln, übernehmen den Transport der Verstorbenen und arbeiten mit Pastoren, Seelsorgern und Angeboten zur Trauerbewältigung für Hinterbliebene zusammen. Tiessen: „Ich verspüre eine enorme Vorfreude auf die kommende Zeit.“ Für Ohlsen und Tiessen beginnt nun ein neuer Abschnitt. Tiessen übernimmt die Verantwortung für den Betrieb und die Menschen, die er in schweren Stunden begleitet, während für die Kunden alles vertraut bleibt: Die abgeschlossenen Bestattungsvorsorgeverträge bleiben ebenso bestehen wie die Kontaktdaten per Telefon und Mail.